Hier findest du regelmässige Evaluationen auf der Basis von Umfragen bei ST-Märkten und bei der Branche, sowie Infos zu Anpassungen der ST-Aktivitäten.
9 Juli 2026
Der Iran-Konflikt ist nach den offenen Kriegshandlungen im Frühjahr in einen «Kalten Krieg» übergegangen, mit temporär aufflackernden bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Lage bleibt volatil, doch die Lage im globalen Reisegeschäft scheint sich weiter zu entspannen.
Die jüngste Markteinschätzung von Schweiz Tourismus bleibt «vorsichtig zuversichtlich». Aktuelle Rückmeldungen aus wichtigen Herkunftsmärkten wie Nordamerika, Brasilien, Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Benelux-Staaten oder dem Vereinigten Königreich zeigen keine signifikanten Stornierungen oder Nachfrageeinbrüche. In Frankreich, wo seit dem Frühjahr eine spürbare Zurückhaltung bei Reisebuchungen zu beobachten war, stabilisiert sich seit Juni die Nachfrage schrittweise.
Die Schweiz profitiert weiterhin von ihrem internationalen Ruf als sichere, verlässliche und qualitativ hochwertige Reisedestination. Insbesondere im deutschsprachigen Raum bestätigt sich der Trend, wonach viele Reisende auf Fernreisen verzichten und stattdessen europäische Destinationen bevorzugen. Davon kann die Schweiz profitieren.
| Region/Land | Hotellogiernächte | vs 2025 |
| EUROPA | ||
| Schweiz (Inland) | 21’083’000 | -0,3% |
| Deutschland | 3’938’000 | +1,9% |
| Vereinigtes Königreich | 1’741’000 | +0,1% |
| Frankreich | 1’501’000 | -1,2% |
| Benelux | 1’371’000 | +2,0% |
| Italien | 929’000 | +1,1% |
| Übriges Europa | 1’575’000 | +0,8% |
| Europa Total | 32’138’000 | +0,1% |
| AMERICAS | ||
| USA | 3’724’000 | +1,3% |
| Kanada | 365’000 | +0,8% |
| Brasilien | 396’000 | +6,8% |
| Americas Total | 4’485’000 | +1,7% |
| ASIA-PACIFIC | ||
| China | 1’120’000 | -4,8% |
| Indien | 601’000 | -11,4% |
| Japan | 298’000 | +3,1% |
| Australien & Neuseeland | 405’000 | -4,9% |
| Südkorea | 310’000 | -12,7% |
| Südostasien | 556’000 | -17,6% |
| Asien-Pazifik Total | 3’290’000 | -8,6% |
| GCC/NAHER OSTEN | ||
| Saudi-Arabien | 327’000 | -2,6% |
| V.A.E. | 275’000 | -4,8% |
| Katar | 68’000 | -5,4% |
| Kuwait, Bahrain & Oman | 108’000 | -9,2% |
| GCC Total | 778’000 | -4,6% |
| GRAND TOTAL | 40’691’000 | -0,6% |
Unterschiedliche Entwicklungen in Asien
In den asiatischen Märkten zeigt sich ein differenziertes Bild. Besonders erfreulich entwickelt sich Japan: Dank der Lockerung der Reisewarnungen für die Golf-Hubs durch die japanischen Behörden Ende Juni nehmen japanische Reiseveranstalter die Schweiz wieder verstärkt in ihre Programme auf und bewerben das Land aktiv.
Auch in Indien hat sich die Nachfrage deutlich erholt. Seit August bewegen sich die Anfragen nahezu auf dem Vorjahres-Niveau. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend hin zu längeren und höherwertigen Reisen, was genau im Sinne von Schweiz Tourismus ist. Dazu lanciert Swiss im Oktober eine neue Direktverbindung zwischen Bengaluru und Zürich lanciert, wodurch Indien noch besser an die Schweiz angebunden wird.
Demgegenüber bleibt die Situation in Südkorea zurückhaltender. Zwar besteht weiterhin Interesse an Reisen in die Schweiz, bei Neubuchungen agieren viele Reisende derzeit jedoch vorsichtig.
Golfmarkt profitiert von verbesserter Erreichbarkeit
Positiv entwickelt sich auch die Anbindung der Golfregion an die Schweiz. Die Flugverbindungen zwischen dem Golf und der Schweiz haben sich weitgehend normalisiert und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig.
Heute verbinden sechs Golf-Airlines die Golfregion direkt mit der Schweiz. Von dieser Entwicklung profitieren nicht nur Reisende aus den Golfstaaten. Die verbesserte Konnektivität stärkt gleichzeitig die Umsteigeverbindungen aus wichtigen Märkten wie Indien und Südostasien.
Weitere positive Impulse stehen bevor: Per 24. Oktober nimmt Swiss die Verbindung Zürich–Dubai wieder in ihr Streckennetz auf.
Im Golfmarkt selbst zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Während die Nachfrage aus Saudi-Arabien weitgehend auf Vorjahresniveau liegt, bleiben die Buchungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar derzeit etwas darunter.
Ausblick 2026: Stabile Entwicklung als wahrscheinlichstes Szenario
Für das Jahr 2026 hat Schweiz Tourismus verschiedene Entwicklungsszenarien erstellt. Das aktuell wahrscheinlichste Szenario geht von einer fortgesetzten Normalisierung der Märkte aus. Auf dieser Grundlage wird eine Entwicklung der Logiernächte zwischen dem Vorjahresniveau und einem moderaten Rückgang von rund einem Prozent erwartet (siehe Grafik).
Europa und die amerikanischen Märkte dürften sich dabei weiterhin robust zeigen und teilweise sogar leicht wachsen. In den Märkten Asien-Pazifik und Golf können die im Frühjahr erlittenen Rückgänge nicht mehr kompensiert werden, ST rechnet mit klaren Einbrüchen.
Die weitere geopolitische Entwicklung bleibt für den Tourismus insgesamt die grösste Unsicherheit. Für eine robuste Nachfrage entscheidend sind ein anhaltender Waffenstillstand, eine weitgehend freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormus sowie ein stabiler Ölpreis. Die jüngsten Entwicklungen in der Golfregion geben keinen Grund zu Optimismus hinsichtlich einer deutlichen Veränderung der Lage.
19. Juni 2026
Entspannung im Iran: Was heisst das für den Schweizer Tourismus?
Am 17. Juni 2026 haben die USA und der Iran im Rahmen einer gemeinsamen Absichtserklärung eine Verlängerung des bestehenden Waffenstillstands vereinbart. Die Einigung zielt unter anderem darauf ab, die seit vier Monaten andauernde Blockade der Strasse von Hormus zu beenden – eine Störung, die die weltweiten Energiepreise erheblich in die Höhe getrieben und damit strukturelle Belastungen für den Flugbetrieb, das globale Wirtschaftswachstum sowie das Konsumentenvertrauen erzeugt hatte.
Die Absichtserklärung eröffnet ein 60-tägiges Verhandlungsfenster und lässt damit die weitere Entwicklung offen. Zudem bleibt die Frage des israelischen Truppenabzugs aus dem Südlibanon ein fortbestehender Instabilitätsfaktor. Konkrete Prognosen sind daher mit Vorbehalt zu formulieren.
Dennoch geht Schweiz Tourismus von einem deutlich verbesserten Umfeld für die zweite Jahreshälfte 2026 und das Folgejahr aus. Die Gesamtjahresszenarien wurden entsprechend angepasst, das Basisszenario ist deutlich positiver.
Marktentwicklung nach Herkunftsregion
Aus Europa und Nordamerika wird für das Gesamtjahr positives Logiernächtewachstum erwartet. Der Heimmarkt Schweiz bleibt auf hohem Niveau stabil. Aus dem Raum Asien-Pazifik und der Golfregion sind die Einbussen zwar geringer als ursprünglich antizipiert, doch reicht der Erholungseffekt nicht aus, um die entstandenen Rückgänge zu kompensieren. Erschwerend wirken in einzelnen asiatischen Märkten und am Golf beschränkte Terminkapazitäten für die Visumserteilung; im indischen Markt ist die Hauptreisezeit bereits abgelaufen.
Die Logiernächteprognose für das Gesamtjahr 2026 gestaltet sich inzwischen wie folgt:
| Region | vs 2025 |
| Europa (inkl. CH) | +0.5% |
| CH Inland | +0.0% |
| Americas | +1.2% |
| Asien-Pazifik (total) | -3.3% |
| China | -1.5% |
| Indien | -7.5% |
| Südostasien | -11.0% |
| Japan | +1.5% |
| Südkorea | -5.0% |
| Australien/Neuseeland | -1.0% |
| GCC-Staaten (total) | -15.8% |
| V.A.E. | -17.2% |
| Saudi-Arabien | -8.8% |
| Katar | -18.8% |
| TOTAL | -0.3% |
Teilweise Normalisierung
Der Flugbetrieb in die Golfregion hat sich weitgehend normalisiert. Demgegenüber bleiben die Luftverkehrsverbindungen nach Asien eingeschränkt bzw. müssen weiterhin Umwege in Kauf genommen werden, da nur wenige Fluggesellschaften den iranischen Luftraum nutzen. Teilweise Abhilfe schaffen neu aufgenommene oder ausgebaute Nonstopverbindungen zwischen der Schweiz und Indien respektive China, die in den vergangenen Wochen lanciert wurden.
Rückblickend war der Zeitraum von Februar bis Juni 2026 für den Schweizer Inbound-Tourismus geprägt von drei wesentlichen Faktoren: reduzierte Flugkapazitäten aus der Golfregion (teilweise bereits wiederhergestellt), gedämpftes Konsumentenvertrauen infolge gestiegener Energiepreise, sowie ein tendenziell erstarkender Schweizer Franken. Eine vollständige Preisnormalisierung bei den Treibstoffen ist kurzfristig nicht zu erwarten. Dennoch bleibt die Schweiz eine gefragte Destination – ein Zeichen für die Stärke und Resilienz unseres Angebots. Zudem dürfte der Rückgang der geopolitischen Risiken weiteren Aufwertungsdruck auf den Franken dämpfen.
Ausblick
Erfahrungsgemäss schlägt sich eine verbesserte Unternehmens- und Konsumentenstimmung erst mit einer Verzögerung von ein bis drei Quartalen in einer höheren Reisebereitschaft nieder. Für 2026 rechnet Schweiz Tourismus daher mit einem insgesamt soliden, leicht rückläufigen Ergebnis.
29. Mai 2026
Schweizer Tourismus blickt zuversichtlicher in den Sommer
Die Schweizer Tourismusbranche schaut dem Sommer 2026 mit mehr Zuversicht entgegen als noch vor einem Monat. Das zeigt die neuste Umfrage von Schweiz Tourismus, die ein repräsentatives Stimmungsbild der Schweizer Tourismusbranche einfängt. Daraus geht hervor, dass trotz anhaltender Auswirkungen des Iran-Konflikts die Zuversicht im Vergleich zu den ersten drei Umfragen spürbar zugenommen hat.
Asien und Golfstaaten holen auf, europäische Märkte als Stütze
Das liegt zum einen daran, dass die Rückgänge der Logiernächte oder Gästezahlen, die kurz nach Ausbruch des Iran-Konflikts beträchtlich waren, sich inzwischen deutlich abschwächen. Besonders die Märkte Indien, Südostasien und auch die Golfstaaten verzeichneten markante Einbrüche als Folge des Konflikts – doch die Golf-Fluggesellschaften haben ihre Angebote inzwischen wieder hochgefahren, dazu gibt es neue, zusätzliche Direkt-Verbindungen zwischen der Schweiz und Indien. Und in den Golfstaaten sowie in Ostasien stehen die Reise-Hochsaisons erst noch bevor.
Zum anderen stabilisieren die starken europäischen Herkunftsmärkte die Lage. Für praktisch alle europäischen Quellmärkte wird für den Sommer ein leichtes Wachstum erwartet.
Demnach haben sich die Ausblicke der Schweizer Tourismusbranche für die bevorstehende Sommersaison gerade für die Quellmärkte aus Asien und dem Mittleren Osten merklich gebessert, ebenso für Nordamerika, wo inzwischen Stabilität oder Wachstum erwartet wird. Für die Nachfrage aus der Schweiz und aus Europa wird ein solides Plus der Übernachtungen bzw. teils auch der Buchungen erwartet.

Zwar ist immer noch mit signifikanten Rückgängen aus Asien und dem Mittleren Osten zu rechnen. Tourismusdestinationen, die stark auf Gäste aus diesen Weltregionen setzen, stehen vor Herausforderungen. Aber: Nach den herben Rückgängen im Frühjahr gebe es nun solide Buchungsstände für die kommenden Monate, melden mehrere Unternehmen.
In mehreren Schweizer Tourismusregionen spielt die Iran-Problematik sogar «kaum eine Rolle» und man sehe dem Sommer «entspannt und positiv» entgegen.
Nicht zuletzt erhielt das Thema der Kerosin-Knappheit jüngst geringere Aufmerksamkeit in den Medien. Akteure wie die Lufthansa-Group mitsamt der Swiss informierten explizit, dass die Kerosinversorgung in der Sommersaison sichergestellt ist. Dazu wurde die Kapazität der Kerosinherstellung in den Raffinerien erhöht, was den Preisdruck mindert. Das sorgt für eine Verbesserung der Konsumenten-Stimmung.
«Es geht sicher in die richtige Richtung und es scheint sich ein guter Bounce-Back abzuzeichnen», urteilt eine Branchen-Exponentin. Die Rede ist von erstmals wieder wachsenden Zahlen nach fast drei Monaten negativer Entwicklung infolge des Iran-Kriegs.
Konfliktbedingter Handlungsdruck nimmt ab
Die allmähliche Entspannung zeigt sich auch daran, dass klar weniger Unternehmen als noch vor einem Monat planen, ihre Budgets oder Marketingstrategien angesichts des Iran-Kriegs zu verändern. Rund ein Drittel der befragten Betriebe hat bereits Massnahmen getroffen, fast die Hälfte sieht aber gar keinen Handlungsdruck.

Sonderkulanzen gehen zurück
Ein weiterer Indikator für die Normalisierung zeigt sich in der Rückkehr zu normalen Annullationsbedingungen. Vor allem während der akuten Eskalation des Konflikts im März 2026 haben viele Reiseanbieter, Airlines und teils auch Hotels ihre Regeln vorübergehend gelockert. Inzwischen werden diese Sonderkulanzen vielerorts wieder eingeschränkt oder laufen aus.
Gleichzeitig bleiben viele Betriebe immer noch flexibler als vor Krisen wie Covid oder dem Iran-Konflikt.

Im Bereich MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Events) hat sich die Lage dagegen nicht grundlegend geändert. 78% der MICE-Aktivitäten in der Schweiz laufen wie gehabt, während einige Unternehmen Stornierungen oder Verschiebungen von geplanten Anlässen erfuhren. Einige konnten aber auch Aufträge gewinnen für Anlässe, die ursprünglich ausserhalb der Schweiz, nahe der Konfliktzone, geplant waren.
22. Mai 2026
Status Quo bei der Marktlage
Die nachfolgende Tabelle fasst die Signale aus den einzelnen Märkten zusammen. Detaillierte Erläuterungen gleich darunter. Das Sentiment beschreibt die Aktualität, der Forecast gilt für das ganze 2026.
| Markt | Sentiment | Kernaussagen | Forecast |
| Heimmarkt (CH) | ▲ Positiv | Wachstum bei Hotellogiernächten April gemäss BFS-Ersttrends. | -1 % |
| Deutschland | ▲ Positiv | Nachfrage-verschiebung zu Gunsten der Schweiz, leichtes Wachstum aber auch Volatilität zu erwarten. | +1 % |
| Frankreich | ~ Abwartend | Rückgang Reisetätigkeit, Trend zu sicheren/nahen Destinationen – Schweiz profitiert. | -3 % |
| UK | ▲ Positiv | Vorsichtiger Optimismus, v.a. STP verkaufen sich sehr gut. | -1 % |
| Nordamerika | ▲ Positiv | Vorläufig kein Grund zur Sorge. Die Situation kann sich je nach Entwicklung der geopolitischen Lage aber schnell ändern. | -1 % |
| Brasilien | ▲ Positiv | Schweiz als sichere Premium-Alternative zu Dubai; hohe Zahlungsbereitschaft im Luxussegment. | +3 % |
| China | ▲ Positiv | «Greater China» (mit Ausnahme Taiwan) aktuell auf dem Vormarsch. Keine nennenswerte Beeinträchtigung erwartet. | -3 % |
| Indien | ▼ Rückgang | Abwarte-Tendenzen, Buchungen in Herbst verschoben. Individuelle Reisen stabil, Gruppen -70% | -22 % |
| Japan | ~ Abwartend | Reisewarnung für Golf-Hubs; MICE-Interesse an Schweiz als Alternativ-destination. | -15 % |
| Südostasien | ▼ Rückgang | Dämpfung durch wirtschaftliche Lage; hohe Direkt-flugpreise; Indonesien / Philip-pinen am stärksten betroffen. | -24 % |
| Australien Neuseeland | ~ Abwartend | Golf-Airlines nehmen Betrieb wieder auf; staatliche Reise-warnungen bleiben Hemmnis; Luxus-segment resilient. | -20 % |
| GCC | ~ Abwartend | Sommer-Buchungen positiv; spontanes Buchungsverhalten; Flugverbindungen via lokale Airlines und Turkish stabil. | -27 % |
Kein Katastrophenszenario, keine Schönfärberei
Die Lage im Iran-Konflikt ist seit Wochen festgefahren. Die Einschätzung der touristischen Quellmärkte zu den Auswirkungen des Konflikts auf die touristische Nachfrage in der Schweiz veränderten sich nur unwesentlich.
Aufgrund anhaltend hoher Treibstoffpreise, welche langfristig die Flugtickets verteuern, gibt es eine spürbare Zurückhaltung bei Ferienbuchungen. Gewisse touristische Stakeholder der Schweiz rechnen inzwischen mit Ergebnisbelastungen für das Gesamtjahr Jahr 2026.
Die jüngste Analyse von Schweiz Tourismus bestätigt, dass die Nachfrage aus einzelnen Märkten für das Gesamtjahr voraussichtlich negativ ausfallen wird. Dennoch bleibt die Grundstimmung bemerkenswert resilient. Die Märkte geben sich, trotz aller Unsicherheiten, überwiegend positiv.
Da vermehrt Schweizerinnen und Schweizer sowie Europäerinnen und Europäer in der Nähe zu ihrem Wohnort verbringen dürften, können allfällige Rückgänge aus Überseemärkten teils kompensiert werden. Die Schweiz hat als politisch stabile und gut erreichbare Destination gute Karten, da Reisende zunehmend Sicherheit und Verlässlichkeit suchen.
Die nachfolgenden Marktbeobachtungen aus den wichtigsten touristischen Quellmärkten beleuchten, wie sich der Iran-Krieg konkret auf Buchungsverhalten, Reiseströme und die Nachfrage nach der Schweiz auswirkt – angereichert mit einem aktuellen Forecast für das Gesamtjahr.
Gemäss ersten Trends des Bundesamts für Statistik für die Logiernnächte im April verzeichnet der Heimmarkt ein positives Wachstum.
Die Reisetätigkeit dürfte im Sommer absehbar zurückgehen. Unsicherheit führt zu einer abwartenden Haltung und zum Verzicht auf Übersee- und Nahostreisen. Die Nachfrage nach sicheren, nahegelegenen Destinationen ist hoch – primär Mittelmeer, wobei die Schweiz davon mitprofitiert.
Nachfrageverschiebung auch in Deutschland: Stabilität und Sicherheit werden zum zentralen Kriterium bei der Reiseplanung, Europa und somit auch die Schweiz bekommen mehr Aufmerksamkeit zu Lasten von Fernzielen. Aus diesem Grund erwarten wir aus Deutschland Stabilität oder sogar leichtes Wachstum, wenn auch damit einhergehend mehr Volatilität (Kurzfristigkeit).
2026 verlief bisher gut bis sehr gut. Die Hotellogiernächte März waren stark, ebenso vielversprechend sind die aktuellen Verkäufe von „Swiss Travel Passes“. Der ÖV ist somit stark nachgefragt, UK bildet für ÖV-Tickets mittlerweile den drittgrössten Markt nach den USA und Indien. Unsere Niederlassung London bleibt vorsichtig optimistisch.
Die Golf-Hubs sind für nordamerikanische Schweiz-Reisende irrelevant, entscheidender sind höhere Flugpreise oder generell steigende Lebenshaltungskosten. Zudem spielt gerade bei der Ferienplanung ein Gefühl der Unsicherheit eine Rolle. Trotzdem sehen unsere Büros vor Ort aktuell keine grösseren Störungen des Buchungs- und Reiseverhaltens aus USA und Kanada.
Die Schweiz wird verstärkt als sichere Alternativdestination zu Dubai und ähnlichen Zielen wahrgenommen, insbesondere im Premium- und Luxussegment. Auch Japan und Portugal werden in diesem Kontext genannt. Die Zahlungsbereitschaft für politisch stabile Destinationen ist hoch („Sicherheit als Luxus“). Treibstoff- und Flugpreisrisiken dümpfen das Reisesentiment generell.
Die Hauptreisezeit in «Greater China» hat noch nicht begonnen. Bestehende und geplante weitere Direktflüge ab Festlandchina sowohl nach Zürich als auch nach Genf sind vielversprechend. Einzelne Schweizer Regionen wie Zürich melden aktuell eine Zunahme von chinesischen Übernachtungen.
Taiwan hängt am meisten von den Golf-Hubs ab, da sind deshalb Rückgänge wahrscheinlich.
Wohlhabende Individualreisende planen ihre Reisen weitgehend unverändert. Gruppenreisende zeigen hingegen einen radikalen Rückgang (bis zu -70 %) – sie folgen stärker dem Appell des Premierministers, vorläufig auf Auslandreisen zu verzichten. Buchungen werden tendenziell in den Herbst verschoben. Flugpreise steigen weiter, ausser bei den Golf-Airlines. Bei Air India kommt es zu Ausfällen infolge von Treibstoffpreisen und Luftraumeinschränkungen.
Die Regierung warnt weiterhin vor Reisen über Golf-Hubs; der Verkauf solcher Reisen ist verboten. Direktflüge kommen vor allem Reisenden aus dem Grossraum Tokio zugute. Im MICE-Bereich ist spürbares Interesse an der Schweiz als Alternativdestination zu den Golfstaaten festzustellen.
Die allgemeine wirtschaftliche Lage dämpft die Konsumstimmung. Direktflugpreise sind hoch, auch wenn die Golf-Airlines den Betrieb wieder aufgenommen haben. Am stärksten betroffen sind Indonesien und die Philippinen; Malaysia und Singapur sind aufgrund stärkerer Währungen und höherer Kaufkraft resilenter.
Die Golf-Airlines nehmen den Betrieb schrittweise wieder auf und setzen auf attraktive Preise als Verkaufsstrategie. Die staatlichen Reisewarnungen für Golfstaaten bleiben jedoch bestehen und verunmöglichen Versicherungsschutz für entsprechende Flüge. Das Luxussegment verfügt über die Kaufkraft für teurere Alternativrouten. Insgesamt werden viele Reisepläne auf den Herbst verschoben.
Der Ausblick für die Sommerbuchungen ist positiv. Das Buchungsverhalten bleibt typisch kurzfristig und spontan, inklusive kurzfristiger Visavergabe. Flugverbindungen nach Europa und in die Schweiz werden von lokalen Airlines sowie Turkish Airlines aufrechterhalten.
30. April 2026
Iran-Konflikt und Schweizer Tourismus: Aktuelle und erwartete Auswirkungen
Der Iran-Konflikt ist aktuell in einer Phase, die weniger einem «Hot War» entspricht und mehr an den Kalten Krieg erinnert: Finanzsanktionen, Seeblockaden, viele Gespräche und wenige Resultate. Ein nahes Ende dieser angespannten Pattsituation scheint nicht in Sicht. Und selbst wenn vorerst kein offener Krieg mehr ausbricht und die Strasse von Hormus tatsächlich bald wieder passierbar würde: Die hohen Energiepreise sowie Treibstoffengpässe werden noch mehrere Monate lang anhalten.
Es ist inzwischen klar, dass der Konflikt nicht ein kurzes Intermezzo bleibt. Die 3. Branchenumfrage von Schweiz Tourismus unterstreicht deutlich, dass die geringe Vorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung immer stärker auf der Tourismusindustrie lastet. Das wiederum führt mit sich, dass nun deutlich öfter Anpassungen der Aktivitäten seitens Marketing und Märkten oder der Mittelzuteilung erfolgen als noch vor zwei Wochen.
Auswirkungen im MICE-Bereich
Wir haben die Auswirkungen auch spezifisch im wichtigen Bereich MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Events) untersucht. Der Iran‑Konflikt verunsichert vor allem Unternehmen im Nahen Osten und in Teilen Asiens, was zu Absagen oder Verlagerungen von MICE‑Events führte.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus Europa, Nordamerika und China stabil, da die Schweiz dort weiterhin als sicheres, verlässliches und hochwertiges Reiseziel wahrgenommen wird. Allerdings gibt es derzeit längere Entscheidungsprozesse aufgrund von Kosten‑ und Planungssicherheit. Chancen ergeben sich selektiv: So prüfen beispielsweise Planer aus Grossbritannien die Schweiz als Alternative für ursprünglich im Nahen Osten geplante Incentives oder Kongresse. Asiatische Gruppen verschieben ihre Reisen zeitlich, statt sie abzusagen, womit Geschäft erhalten bleibt oder sogar dazukommt.
Stabilität wirkt sich positiv auf Reisestimmung aus
Auf makroökonomischer Ebene zeigt sich ein gemischtes, insgesamt jedoch ermutigendes Bild. Mehrere europäische Flughäfen – darunter auch der Flughafen Zürich – verzeichneten im März 2026, also im ersten Monat nach Ausbruch des Konflikts, weiterhin steigende Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahr. Die grundsätzliche Reiselust scheint nach wie vor vorhanden zu sein. Doch welche Reiseziele profitieren?

Die Entwicklung ist stark marktgetrieben. Aus einigen Quellmärkten resultierte ein klares Minus, aus anderen auch ein Plus – über die definitive März-Bilanz orientieren wir nächste Woche.
Rückgänge gab es zunächst aus den Golfstaaten sowie aus Teilen Asiens. Das Sitzplatzangebot zwischen den Gateways im Mittleren Osten und der Schweiz ist weiterhin reduziert. Mehrere Direktverbindungen ab Zürich – darunter Swiss nach Dubai und Tel Aviv sowie Edelweiss nach Oman – wurden suspendiert oder gestrichen, was die Reiseoptionen einschränkt. Golf‑Airlines wie Emirates, Etihad, Qatar oder Saudia halten den Betrieb in leicht reduzierter Form aufrecht. Der Abbau der Nahost‑Verbindungen wird teilweise durch einen punktuellen Ausbau des Angebots nach Fernost, etwa nach Indien und China, kompensiert.
Belastend für den touristischen Flugverkehr sind aber vor allem die stark steigenden Kosten. Der Kerosinpreis hat sich seit Beginn des Konflikts mehr als verdoppelt. Erste Preissteigerungen bei Flugtickets sind bereits erfolgt, weitere werden in den kommenden zwei bis drei Monaten erwartet, da die Treibstoff‑Absicherungsprogramme der Airlines die Mehrkosten nur begrenzt abfedern können.
Die Perspektive deutlich höherer Preise sowie die Angst vor Treibstoffengpässen dämpfen die Reiselust insbesondere für Langstrecken-Ferienziele. Das zeigt sich etwa in den Zahlen grosser Buchungsportale. Booking Holdings etwa verzeichnete im ersten Quartal 2026 zwar ein Übernachtungswachstum von 6 % gegenüber dem Vorjahr, musste jedoch einen «konfliktbedingten» Dämpfer von zwei Prozentpunkten hinnehmen.
Dennoch erwartet das Unternehmen, dass die globale Reisenachfrage nicht einbricht, sondern sich neu ausrichtet: Reisende weichen verstärkt auf als sicher und stabil wahrgenommene Destinationen aus – ein Trend, von dem die Schweiz profitieren kann.
Das Ferienbarometer 2026 von Europ Assistance unterstreicht, dass auch innerhalb der Schweiz Sicherheits‑ und Kostenaspekte an Bedeutung gewinnen. Fast ein Fünftel der Schweizer Befragten plane demnach Ferien im Inland.
Obwohl es sich aktuell um die grösste touristische Krise seit der Pandemie handelt, sind wir weit entfernt von derselben Tragweite wie bei Covid, weshalb direkte Vergleiche nicht angebracht sind. Reisen ist möglich.

© European Union (CC BY 4.0)
EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas forderte am 29. April in einer Rede Reisende auf, ihre Ferienwünsche wie geplant umzusetzen und versicherte, dass es keine Engpässe bei Flugbenzin gebe und Reisende im Falle von Störungen geschützt seien.
Schweiz Tourismus analysiert die Lage weiter und prüft in enger Abstimmung mit Partnern, ob und wo Marketingmassnahmen anders gesteuert werden sollen. Auch zu unseren Szenarien und Massnahmen werden wir nächste Woche vertieft informieren.
24. April 2026
Unsichere Lage im Nahen Osten fordert die Reisebranche heraus
Der Konflikt im Mittleren Osten ist weiterhin nicht beigelegt. Die Tourismusbranche steht vor einer anhaltenden Belastungsprobe.
Schweiz Tourismus handelt in der aktuellen Lage aktiv und entschlossen. Dank der breiten Aufstellung mit 35 Büros in 21 Märkten haben wir einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation. So lauten die wichtigsten Rückmeldungen aus unseren Quellmärkten:
1 Europa (Gesamtbetrachtung)
- “Nearshoring“ und „Staycation“ prägen die Reiseströme und begünstigen nahe Destinationen wie die Schweiz.
- Reisen werden flexibler geplant; Sommerreisen verschieben sich teilweise in den Herbst.
Deutschland
- Deutlich steigende Nachfrage nach sicheren, einfach erreichbaren Alternativen zu Fernreisezielen.
- Zentraleuropa und der Alpenraum werden aktiv gesucht und stärker nachgefragt.
UK
- Zusätzliche Flugkapazitäten von SWISS und Edelweiss stärken die Erreichbarkeit der Schweiz.
- Wachsendes Interesse der britischen MICE-Branche an der Schweiz. Positionierung als Ersatzstandort für GCC‑Events gewinnt an Dynamik.
Frankreich
- Buchungen Richtung Mittlerer und Ferner Osten werden häufig storniert oder gar nicht erst getätigt.
- Verlagerung der Nachfrage auf Inlandreisen oder alternative europäische Destinationen.
2 Heimmarkt Schweiz
- Sehr intensiver Wettbewerb um Schweizer Gäste aus Europa und Übersee.
- „Staycation“ bleibt ein relevanter Faktor im Inlandmarkt.
- Übersee‑Destinationen, z.B. im Indischen Ozean, bleiben stark präsent durch ausgebaute Direktflugverbindungen.
- Wir gehen davon aus, dass angesichts der allgemeinen Unsicherheit mehr Schweizer ihre (Sommer-)Ferien in der Schweiz verbringen werden.
3 Asien-Pazifik (Gesamtbetrachtung)

- Reisestimmung generell verhalten und von Unsicherheit geprägt.
- Staatliche Reisewarnungen für die Golfregion erschweren Verkauf von Umsteigeverbindungen.
- Trends zu Nearshoring bzw. Staycations wirken sich negativ auf Fernreisen nach Europa aus.
- Schweiz verliert temporär an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber näheren Destinationen.
China
- Bei der Kerosinversorgung vergleichsweise robust aufgestellt.
- Direktflugangebot nach Europa ist gut und wird weiter ausgebaut.
- Markt-Erholungspotenzial vorhanden, abhängig von Preisentwicklung und Konsumentenstimmung.
Indien
- Inbetriebnahme der Golf-Drehkreuze ist wichtig für diesen Markt.
- Mittleres Segment und Gruppengeschäft besonders betroffen.
- Europareisen werden häufig verschoben.
- Südostasien und Fernost sind starke, preislich attraktive Alternativen mit hoher medialer Präsenz.
Japan
- Direktflüge nach Europa werden aktiv beworben und bevorzugt.
- Umsteigeflüge über den Golf dürfen wegen Reisewarnungen nicht vermarktet werden.
- Beginn der Hauptsaison ab Mai erhöht den Zeitdruck.
- Stornierungsrisiko im Gruppensegment, falls Golf-Umsteigeverbindungen nicht rechtzeitig freigegeben werden.
4 Golfstaaten
- Weitgehende Rückkehr zur Normalität.
- Lokale Airlines fliegen wieder in gewohnten Frequenzen, westliche Airlines aber weiterhin abwesend.
- Flugauslastung Richtung Europa teilweise bereits wieder gut.
- Starkes Interesse an Sommerferien in Europa (Hitzeflucht) und in Asien. Hauptreisetätigkeit setzt ab Juli mit den Schulferien ein.
- Vermögende Gäste reisen bereits wieder aktiv nach Europa.
5 Amerikas
USA
- Gesamtnachfrage weiterhin solide, trotz Anpassungen im Flugangebot. Flugreduktionen, z.B. von Edelweiss, haben primär mit Kostengründen und schwindender Nachfrage ab der Schweiz zu tun, nicht mit schwindendem Interesse aus den USA.
- Kaum Stornierungen, dafür vermehrt kurzfristige Buchungen.
- Starkes Interesse an Reisen im Spätsommer und Herbst.
Brasilien
- Im Luxussegment hohes Interesse an Alternativen zum Mittleren Osten.
- Schweiz bzw. Schweizer Alpen wirken besonders attraktiv als sichere Premium-Destination.
- Gute Positionierungschancen im High-End- und Individualsegment.
6 Fazit
Die allgemeine Reise-Unsicherheit widerspiegelt sich im Umstand, dass die Nachfrage für die Sommerferien 2026 weltweit noch unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Die Buchungsdynamik bleibt zurückhaltend.
Das Thema der Treibstoffversorgung sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Dazu Folgendes:
Die Aufmerksamkeit ist grundsätzlich berechtigt, jedoch wird die Situation sehr unterschiedlich beurteilt und medial teilweise dramatisiert. Weiter ist sie auch von Markt zu Markt sehr unterschiedlich. Falls sich die geopolitische Lage an der Strasse von Hormus akzentuiert, bzw. die Passage nicht geöffnet wird, sehen Airline-Fachleute Afrika als zuerst von der Kerosin-Knappheit betroffen, gefolgt von den Philippinen und Thailand.
Das tut Schweiz Tourismus
ST hat umsichtig analysiert und abgewogen und kam so zum Entschluss, dass alle globalen Marketingaktivitäten wie geplant weitergeführt werden. Es gibt keinen Anlass, das weltweite Engagement zu unterbrechen, zu reduzieren oder neu auszurichten. Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 ist den Umständen entsprechend stabil; die aktuelle Situation führt nicht zu strukturellen Einbrüchen wie während der Pandemie.
Gleichzeitig anerkennt ST, dass die Auswirkungen regional unterschiedlich ausfallen, und richtet Massnahmen entsprechend differenziert aus.
Schweiz, Europa sowie teilweise Nordamerika, China und Indien
- ST verstärkt gezielt Aktivitäten, um konkrete Marktchancen konsequent zu nutzen.
- Der Fokus liegt klar auf Sales-Massnahmen sowie auf Sommer- und Herbstperioden.
- Die Märkte steuern diese Massnahmen aktiv und stehen im engen Austausch mit ihren Partnern.
Golfstaaten
- ST entscheidet situationsbezogen und konsequent, welche Aktivitäten umgesetzt, angepasst, verschoben oder gestoppt werden.
- Jeder Entscheid erfolgt marktnah, datenbasiert und im direkten Austausch mit den Partnern
17. April 2026
Warum der Tourismus weiter auf Sicht fliegt
Die Blockade der Strasse von Hormuz hat zu einer erheblichen Verknappung der globalen Kerosinversorgung geführt, was die Betriebstätigkeit der Fluggesellschaften massiv unter Druck setzt und sich direkt auf Ticketpreise sowie Flugangebote auswirkt.
Die Airlines passen ihre Flugnetze kontinuierlich an. Swiss hat beispielsweise Kapazitäten von Dubai und Tel Aviv nach Indien umgeleitet und ihr Europa-Angebot um 74 zusätzliche Rotationen ausgebaut. Edelweiss strich US-Flüge nach Denver und Seattle und reduzierte die Verbindungen nach Las Vegas. Dadurch wird deutlich, dass Flugverbindungen hinsichtlich Destinationen und Preisen zunehmend volatil sind.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt sogar, dass in Europa in rund sechs Wochen massive Engpässe beim Kerosin entstehen könnten – also noch vor den Sommerferien. Immerhin: Die Schweizer Notvorrats-Lager reichen bei Benzin und Diesel viereinhalb Monate und beim Kerosin drei Monate.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt derweil, dass erhöhte Treibstoffpreise selbst nach einer Wiedereröffnung der Meerenge noch über längere Zeit bestehen werden – ein strukturelles Kostenproblem, das den Tourismus noch länger belasten wird.
Zahlen aus der zweiten ST-Umfrage
Was erwartet die Schweizer Tourismusbranche? Die zweite ST-Blitzumfrage, die vom 9. bis 15. März 2026 bei Branchenpartnern durchgeführt wurde und 122 vollständige Rückmeldungen erzeugte, zeigt deutlich, dass die Ungewissheit am meisten belastet:

Steigende Preise und der wachsende Anteil an Kurzfristbuchungen, die die Planung erschweren, sind ebenfalls hoch auf diesem «Sorgenbarometer». Der Anteil jener, die sich als «gar nicht betroffen» bezeichnen, ist im Vergleich zur ersten Umfrage von 22 auf 15 Prozent zurückgegangen.
Schaut man sich die Auswirkungen der Nachfrage aus Quellmarkt-Perspektive an, ergibt sich folgendes Bild:

Daraus zeigt sich deutlich und erfreulich, wie die Buchungen aus der Schweiz und den europäischen Quellmärkten innerhalb der letzten zwei Wochen bereits wieder zunehmen. Das gilt auch für den amerikanischen Kontinent, während Asien/Pazifik und der Mittlere Osten weiter nachlassen.
Bei der Frage, wie die Lage in drei Monaten aussehen könnte, ändert sich jedoch das Bild. Offenbar rechnet die Branche mit einer leichten Verbesserung in den letztgenannten Märkten, während Nordamerika nachlässt.
Die Ungewissheit führt weiterhin zu einer abwartenden Haltung bei den befragten Branchenunternehmen. Der Anteil jener, die bisher noch keinerlei Massnahmen in ihrem Marketing oder Budget vorgenommen haben, um auf die Situation zu reagieren, ist praktisch gleichauf wie vor zwei Wochen.

Wie lange der Konflikt weiter andauert, lässt sich weiterhin nur schwer abschätzen. Für die Schweizer Tourismuswirtschaft bedeutet dies: Die europäischen Nahmärkte, Americas und direkte APAC-Verbindungen sind derzeit die tragenden Pfeiler, auf die sich die strategische Planung stützen muss.
Die Branche wäre gut beraten, mit zusätzlichen Mitteln zu planen und Aktivierungsmassnahmen für ein agiles Umschalten vorzubereiten, sobald verlässliche Signale einer Entspannung vorliegen. Schweiz Tourismus erarbeitet derzeit einen Plan, um mit gezielten taktischen Promotionsmassnahmen die Ausfälle zu antizipieren. Hierzu planen wir im kommenden Update am 24. April zu informieren.
10. April 2026
Update zur Lage im Schweizer Tourismus
Der vor 42 Tagen ausgebrochene Iran-Konflikt ist nach wie vor ungelöst und verursacht erhebliche Störungen. Er hat bereits massive weltweite Auswirkungen auf den Tourismus ausgelöst, darunter Zehntausende Flugausfälle, enorme tägliche Einnahmeverluste in zahlreichen Tourismusmärkten und eine weitreichende Neuordnung von Reiseströmen weltweit. Der derzeitige Waffenstillstand bietet nur eine fragile Atempause, da die zugrunde liegenden Spannungen und Versorgungsrisiken weiterhin bestehen.
Weltweit verändern volatile Ölpreise und umgeleitete Flugrouten die Tourismusströme und schränken die Erreichbarkeit gewisser Ziele ein. Trotz des in dieser Woche verkündeten Waffenstillstands dürfte der Reiseverkehr durch den Golf in den kommenden Monaten eingeschränkt bleiben, was bedeutet, dass Asiens Flughäfen – insbesondere in Indien und China – die Chance haben, zu neuen Ost-West-Hubs aufzusteigen. Unterdessen breiten sich die durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölengpässe weltweit aus und verursachen eine sich ausweitende Versorgungsunterbrechung, die an einigen Orten bereits dazu führt, dass Lastwagen von der Strasse, Schiffe vom Meer und Flugzeuge aus der Luft genommen werden.
In Europa dürfte sich der Kampf um Touristen verschärfen. Bislang gibt es, mit Ausnahme von Zypern, das nahe dem als Risikogebiet wahrgenommenen östlichen Mittelmeerraum liegt, keine Berichte über mit dem Iran-Krieg in Verbindung stehende Konjunkturpakete oder Notfallfinanzierungen für Nationale Tourismusorganisationen. Diese befinden sich weiterhin in einer abwartenden und beobachtenden Haltung. Je länger der Krieg andauert, desto dringlicher dürfte die Umverteilung von Budgets für Tourismusmarketingaktivitäten werden.
Bei Schweiz Tourismus haben wir unsere Entwicklungsszenarien wie folgt aktualisiert:
Das Basisszenario sieht langwierige Verhandlungen vor, bei denen ein teilweiser Waffenstillstand hält, aber kein wirklicher Durchbruch erzielt wird. Die Spannungen halten an, die Ölpreise bleiben auf einem dauerhaft hohen Niveau und das globale Wachstum – insbesondere in Asien – verlangsamt sich moderat, was die Tourismusnachfrage belastet, ohne jedoch einen Einbruch auszulösen. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario derzeit auf 45–50 %.

Das optimistische Best-Case-Szenario geht von einer erfolgreichen Diplomatie aus, bei der beide Seiten ihre Positionen aufweichen und eine umfassendere Einigung erzielen. Die Stabilität kehrt allmählich zurück, die Ölpreise geben nach und das Reisevertrauen erholt sich, was eine langsame Erholung der internationalen Tourismusströme unterstützt. Wir würden zwar weiterhin leichte Rückgänge in Asien und den GCC-Staaten sehen, aber das Wachstum in Europa würde den insgesamt negativen Effekt ausgleichen. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario derzeit auf 40–45 %.

Das pessimistische Worst-Case-Szenario sieht einen Zusammenbruch der Gespräche und eine erneute Eskalation vor, insbesondere im Libanon. Eine mögliche Sperrung wichtiger Schifffahrtsrouten treibt den Ölpreis langfristig auf weit überdurchschnittliche Werte, was die Reisekosten stark in die Höhe treibt und zu einem erheblichen Rückgang des Tourismus führt, insbesondere in Asien und auf den Langstreckenmärkten. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario derzeit auf 10–15 %.

Betrachten wir nun die einzelnen Märkte genauer. Wir haben Rückmeldungen von unseren 35 Vertretungen an 21 Märkten gesammelt, die wiederum mit lokalen Reiseveranstaltern gesprochen haben.
Das Gesamtbild ist uneinheitlich: Nahe gelegene Märkte und Nordamerika bleiben relativ stabil, während der asiatisch-pazifische Raum (APAC) und die Golfstaaten (GCC) weiterhin stark von der Lage im Nahen Osten betroffen sind. Das Hauptproblem in den meisten Märkten sind nicht weitreichende Stornierungen, sondern ein starker Rückgang bei den Neubuchungen, insbesondere für Mai, Juni und Gruppenreisen.
China bleibt der widerstandsfähigste Fernreisemarkt für die Schweiz in der östlichen Hemisphäre. Direktflüge nach Zürich bieten Schutz vor Störungen an den Golf-Drehkreuzen, und fast alle Reiseveranstalter erwarten für die nächsten zwei Jahre ein stabiles oder wachsendes Geschäft mit der Schweiz. Der grösste Hemmschuh ist die Preissensibilität, doch die Nachfrage nach sicheren Premium-Erlebnissen bleibt stark.
Indien ist der am stärksten betroffene Markt im asiatisch-pazifischen Raum. Der weitgehende Verlust der Drehkreuzanbindung via den Golfstaaten traf die Hauptbuchungssaison hart: Es gab praktisch keine neuen Buchungen für Mai und einen starken Rückgang bei Schengen-Visa sowie bei der Nachfrage nach Gruppenreisen. Dennoch behält die Schweiz ihre Anziehungskraft für vermögende Reisende und bereits gebuchte Individualreisende.
Südostasien befindet sich in einer abwartenden Haltung. Viele Reisende verschieben ihre Reisen eher, als sie zu stornieren, doch die MICE-Nachfrage hat nachgelassen und ein Teil des Geschäfts verlagert sich auf alternative Reiseziele. Eine Erholung bleibt möglich, doch der Zeitpunkt bleibt ungewiss und der Wettbewerb aus anderen Regionen nimmt zu.
Die GCC-Region hat mit dem Waffenstillstand einen möglichen Wendepunkt erreicht. Die tatsächliche Nachfrage liegt jedoch nach wie vor nahe Null. Es bestehen weiterhin starke strukturelle Hindernisse, darunter moralische Bedenken und anhaltende Unsicherheit. Eine Erholung ist möglich, wird aber wahrscheinlich kurzfristig und ungleichmässig verlaufen.
Die USA bleiben strukturell widerstandsfähig und verzeichnen über den gesamten Beobachtungszeitraum kaum Stornierungen für die Schweiz. Der aktuelle Rückgang betrifft hauptsächlich Neubuchungen und ist eher auf Vorsicht als auf schwaches Interesse am Land zurückzuführen. Dies verschafft der Schweiz eine gute Ausgangsposition, sobald sich das Vertrauen verbessert.
Was die Schweiz betrifft, so zeigen mehrere glaubwürdige Quellen, dass Schweizer Reisende sich von Fernreisezielen und Zielen mit Verbindungen in den Nahen Osten abwenden und zunehmend näher gelegene, sicherere Alternativen innerhalb Europas wählen, was stark darauf hindeutet, dass der Inlandstourismus von einem ähnlichen Substitutionseffekt profitieren könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Trotz des düsteren Hintergrunds verfügt der Schweizer Tourismus nach wie vor über gute Karten. Das Image des Landes als sicheres Reiseziel ist im aktuell schwierigen Umfeld ein bedeutender Wettbewerbsvorteil und dürfte sich in mehrere Quellmärkten positiv auf die Buchungen auswirken. Wenn das Vertrauen zurückkehrt, ist die Schweiz gut positioniert, um schnell von der rückkehrenden Nachfrage zu profitieren.Schweiz Tourismus ist für alle Szenarien bereit. Wir haben ein volles Inventar gemacht und können sofort mit Marketingmassnahmen reagieren. Wir stehen sozusagen in den Startlöchern, aber warten den richtigen Moment ab.
2. April 2026
Konflikt & Konsequenzen: Zahlen aus der ersten ST-Umfrage
Die erste Phase des Konflikts im Iran war geprägt von operativen Einschränkungen: Streckensperrungen, umgeleitete Flüge, kurzfristige Stornierungen. Diese Ebene bleibt relevant – aber sie ist nicht mehr die dominante. Was sich abzeichnet, ist eine tiefere und strukturellere Verschiebung: Reiseentscheidungen sind immer stärker von Preiskomponenten beeinflusst – steigende Preise für Flugtickets, Treibstoff und allgemeine Lebenshaltungskosten drücken auf die Reisebudgets. Dazu kommt ein globaler Vertrauensverlust, der auf die Reisestimmung drückt: Sicherheitsbedenken, Angst vor dem Stranden und eine ausgeprägte Abwartehaltung.
Die ST-Blitzumfrage vom 29. bis 31. März 2026 bei Branchenpartnern (mit 143 vollständigen Rückmeldungen) zur 2. Hälfte März bestätigt dies:

Am stärksten und unmittelbarsten betroffen sind, nicht überraschend, die Golfstaaten (GCC). Als kriegsnahe Region verzeichnen sie einen durchschnittlichen Buchungsrückgang von -46% im Vergleich zum Vorjahr.
Länder, die stark von den Golfdrehkreuzen (Dubai, Abu Dhabi, Doha) abhängen, sind ebenfalls erheblich betroffen. Für den APAC-Raum meldet die ST-Umfrage einen durchschnittlichen Buchungsrückgang von -33%. Neben der Flugkonnektivität spielen auch hier sinkende Reisebudgets infolge gestiegener Energie- und Lebenshaltungskosten eine zunehmende Rolle.
Auch aus den Amerikas ist eine Abkühlung spürbar: -12% im Durchschnitt. Obwohl die USA nicht direkt von den Flugrouten betroffen sind, zeigt sich eine zunehmende allgemeine Verunsicherung. Der US-amerikanische Markt reagiert stärker als zunächst angenommen.
Die europäischen Quellmärkte befinden sich in einer ausgeprägten «Wait and See»-Haltung.

Das dominierende Muster über alle Märkte hinweg ist Umlenkung statt Stornierung: Reisende, die Trips ans östliche Mittelmeer oder nach Nahost geplant hatten, suchen Alternativen – westliches Mittelmeer, Karibik, Inlandsreisen. Die Schweiz ist in Europa als nahegelegenes, sicheres Premium-Ziel gut positioniert, diesen Umlenkungseffekt zu nutzen.
Für den Heimmarkt Schweiz zeigt die ST-Umfrage ein differenziertes Bild: +6% im Durchschnitt. Die breite Streuung spiegelt die unterschiedliche Exposition der einzelnen Leistungsträger wider.
Eine abwartende Haltung scheint auch im Schweizer Markt spürbar zu sein. 41% der befragten Branchenunternehmen haben bis jetzt keine Änderungen ihrer Strategien oder Budgets geplant. 30% sehen dafür aber bald Bedarf, während 24% bereits Anpassungen vollzogen haben.

Klar ist: Je länger der Konflikt andauert, desto struktureller werden die Auswirkungen, die bereits jetzt spürbar sind. Nicht nur Stornierungen, sondern auch ausbleibende Neubuchungen aus Fernmärkten prägen verstärkt das Bild.
Immerhin: Laut ST-Einschätzung ist für die Gesamtschweiz nach dem starken Jahr 2025 kein dramatischer Einbruch bei den Logiernächten zu erwarten. Je nach strategischer Ausrichtung werden in diversen Destinationen bzw. bei vereinzelten Leistungsträgern aber starke Auswirkungen spürbar sein.