2025 führte Schweiz Tourismus (ST) 222 «Familiarization Trips» (Fam Trips) durch. Simon Bosshart, Leiter Märkte Ost und Mitglied der Geschäftsleitung bei ST, über den hohen Stellenwert der finanzierten Studienreisen, ihre Weiterentwicklung und wie die Philosophie von Travel Better in die Planung einfliesst

ST nutzt sogenannte «Familiarization Trips» (Fam-Trips), um den Produkt- und Einkaufsverantwortlichen wichtiger internationaler Reiseveranstalter das Reiseprodukt Schweiz vor Ort zu zeigen. Gemeinsam mit Schweizer Tourismuspartnern organisiert, ermöglichen die finanzierten Studienreisen den Teilnehmenden, die eigenen Angebote gezielt weiterzuentwickeln und aufzugleisen.

Einen Fam-Trip, der exemplarisch für diese gezielte Angebotsentwicklung steht, gleiste ST für den brasilianischen Premium-Reiseveranstalter FVO Travel auf: Bei der fünftägigen Reise im März 2025 lernten acht Reisbranchenprofis aus Brasilien die Top-Skidestinationen St. Moritz und Andermatt kennen. Sie reisten innerhalb der Schweiz mit dem Zug. Für einen reibungslosen und komfortablen Ablauf sorgten die Partner Swiss Travel System, Glacier Express, Bernina Express, The Chedi Andermatt, St. Moritz Tourismus, die SBB mit ihrem Gepäckservice und Swiss Ski School. Brasilien ist ein wichtiger Markt für solche Key Account Management-Aktivitäten (KAM): Knapp 80 % der brasilianischen Reisenden buchen ihre Ferien über ein Reisebüro.

Wie sich Fam-Trips seit der Pandemie entwickelt haben und worauf ST besonders Wert legt, beantwortet Simon Bosshart, Head of Markets East und GL-Mitglied bei ST:

Simon Bosshart, wie wichtig sind die Fam-Trips für ST?
Sie sind ein zentrales Instrument unseres Key Account Managements. Fam-Trips helfen uns, das Schweiz-Angebot in den Märkten auszubauen und aktiv bei den Reiseveranstaltern zu beeinflussen.  

Wie viele Fam-Trips fanden 2025 insgesamt statt?
2025 führte ST 222 Fam-Trips durch. Teilgenommen haben 945 Produkt- und Einkaufsverantwortliche aus allen 22 von ST bearbeiteten Märkten

Wie hat sich die Anzahl Fam-Trips in den vergangenen Jahren entwickelt?
Seit Ende der Pandemie steigt die Anzahl wieder stetig. Die meisten Fam-Trips 2025 führte der Markt USA durch mit 188 Produkt- und Einkaufsverantwortlichen.

Inwiefern haben sich die Fam-Trips auch wegen der Corona-Pandemie verändert?
In der Vergangenheit haben sie die wichtigsten Reiserouten durch die Schweiz abgedeckt und waren ideal für Teilnehmende, die die Schweiz noch wenig kannten. In den letzten Jahren ist aber nicht nur das Schweiz-Wissen gestiegen, sondern auch der Grad der Spezialisierung und des Anspruchs an besondere Erlebnisse abseits ausgetretener Pfade.

Wie hat ST als Veranstalter der Fam-Trips darauf reagiert?
Da sich auch die Bandbreite der teilnehmenden Key Accounts verändert hat, passen wir unseren Fokus an. Früher lag dieser auf den grossen Volumen-Reiseveranstaltern, heute arbeiten wir in allen Märkten auch vermehrt mit spezialisierten Nischenanbietern. Dazu kommen mit Influencer-Veranstaltern hybride Organisationen, die aktiv in den sozialen Medien kommunizieren und gleichzeitig das Gezeigte als Reiseangebote vertreiben. 

Welche Rolle spielt die Travel-Better-Philosophie bei der Programmgestaltung eines Fam-Trips?
Eine sehr zentrale. Die fünf Aktionsfelder von Travel Better sind fester Bestandteil unserer KAM-Arbeit. Unser Ziel ist es, das bestehende Schweiz-Produkt zu diversifizieren und weiterzuentwickeln. Mit den Fam-Trips machen wir das Angebot für die Entscheidungsträger erleb- und testbar. 

Gibt es dazu konkrete Beispiele?
Ja. Um den Ganzjahrestourismus zu fördern, legen wir die Fam-Trips gezielt auf den Herbst. So erleben die Teilnehmenden die Vorteile der «neuen Saison». Ein Beispiel sind die Pre-Convention-Trips rund um den Switzerland Travel Mart 2025 in Zermatt. Um die Lenkung der Gästeströme zu verbessern, entwickeln wir für die einzelnen Märkte spezielle Programme. In Indien ist das zum Beispiel der jährlich stattfindende «Swisspiration»-Fam-Trip, der gezielt neue Destinationen thematisiert. Und bei der Planung aller Fam-Trips setzen wir wann immer möglich auf Swisstainable-Betriebe. 

Wie misst Schweiz Tourismus den Erfolg eines Fam-Trips? Geht es nur um Reichweite oder auch um langfristige Kooperationen?
Das ist nur im Kontext der gesamten Kooperation mit einem Reiseveranstalter möglich, ein losgelöster Fam-Trip reicht nicht. Wenn wir es schaffen, gemeinsam mit Veranstaltern Produkte weiterzuentwickeln oder neu zu lancieren und sie auf dem Markt zu bringen, waren wir erfolgreich. Eine gelungene und nachhaltige Produktentwicklung von der initialen Idee bis zum Verkauf kann zwei bis drei Jahre dauern. Diese Beziehungsarbeit messen wir über die «qualifizierten Interaktionen», also die Anzahl interaktiver Kontakte zwischen unseren Trade Managers und den Reiseveranstaltern.